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Was ist SCORM?

Ein Artikel von Dipl. Päd. Frank E. Callies

Das Sharable Content Reference Model (SCORM) ist ein Referenzmodell, das das Zusammenspiel von Kurselementen, Datenmodellen und Protokollen definiert. Ziel dieser von der Advanced Distributed Learning Initiative (ADL) entwickelten Spezifikation ist es, digitale Lerninhalte so zu gestalten, dass diese plattform- und systemübergreifend zugänglich sind und möglichst flexibel jederzeit wiederverwendet werden können.

SCORM selbst ist nicht - wie oft angenommen - ein eigener Standard, sondern lediglich ein Modell, in das verschiedene bereits vorhandene Standards integriert wurden. So sind im SCORM-Modell Standards wie z.B. AICC, IMS und LOM integriert.

Wesentlicher Bestandteil des SCORM-Modells sind die sogenannten Lernmanagement-Systeme (LMS), deren Aufgabe darin besteht, die Daten der Lerner zu verwalten und den einzelnen Lernern bestimmte Lernobjekte (im SCORM Modell SCOs genannt) zur Verfügung zu stellen. Das LMS übernimmt also die komplette Verwaltung der Benutzerdaten und der SCOs, es startet die SCOs und übernimmt die Navigation zwischen SCOs. Gleichzeitig kann das LMS Daten, die ein SCO zurückliefert, im Zusammenhang mit dem entsprechenden Benutzer speichern. Solche Daten können z.B. die Leistungen beinhalten, die ein Lerner bei der Bearbeitung eines SCOs erbracht hat.

Die SCOs sind die kleinsten Einheiten innerhalb des SCORM-Modells. Sie können nicht weiter in kleinere Einheiten zerlegt werden. Umgekehrt können mehrere SCOs aber zu größeren und komplexeren Einheiten (z.B. Kursen) zusammengestellt werden.
Die Zusammenstellung erfolgt durch die Festlegung einer bestimmten Struktur, die die einzelnen SCOs miteinander verbindet, gleichzeitig wird die Reihenfolge der SCOs im Kurs festgelegt. Zuletzt müssen alle Bestandteile der SCOs, also auch Media-Daten etc., zu einem Paket zusammengeführt werden, das als Ganzes transportiert und in ein LMS integriert werden kann.

Dieser Vorgang wird als "Content Aggregation" bezeichnet. Manchmal findet man auch den Begriff "Content Packaging". SCORM Packages werden in der Regel in Form von gezippten Dateien weiter gegeben. Eine solche Datei enthält dann alle Daten, die zu diesem Paket gehören.

Wer braucht SCORM?
Das Thema SCORM ist vor allem für Anwender wie Unternehmen, Hochschulen, Schulen und für größere Institutionen interessant, die eine große Zahl von Lernern und Lerninhalten verwalten müssen. Da der Aufwand, ein LMS zu betreiben und zu verwalten nicht zu unterschätzen ist, spielt SCORM in der Regel nur dort eine Rolle, wo dieser Aufwand technisch und personell auch tatsächlich zu bewältigen ist. Eine weitere Voraussetzung ist, dass die verwendeten Kurse auch SCORM-compliant sind, das heißt den Vorgaben des SCORM-Modells entsprechen.
Da dies bisher nur bei relativ wenigen Kursen der Fall ist, kommt ggf. noch der Aufwand hinzu, neues Kursmaterial erstellen zu müssen.

Problematische Aspekte von SCORM
So beeindruckend die Idee von universell einsetzbaren Lerneinheiten auch sein mag, in der Praxis stößt sie auf nicht unerhebliche Probleme. Diese liegen vor allem in drei Bereichen:

1. Um "echte" SCORM-kompatible Lerneinheiten zu erstellen, müssen die SCOs bestimmte Voraussetzungen erfüllen, die unter didaktisch-methodischen Aspekten betrachtet nicht immer sinnvoll sind. So müssen komplexe Lernstoffe künstlich in kleine Einheiten, eben die SCOs, zerlegt werden, die wiederum universell einsetzbar sein sollen. Das heißt, die SCOs sollten im Idealfall als separate Lernobjekte verwendet werden können, ohne dass der Bezug zu anderen SCOs zwingend notwendig ist.

2. Es gibt nur sehr wenig brauchbares SCORM-kompatibles Lernmaterial. Viele SCOs bestehen aus nichts anderem als einzelnen Word-Dokumenten oder PDF-Dateien.
Die umständliche und noch nicht ausreichend standardisierte Art, wie Entwickler SCORM-Kurse erstellen, erschwert das Entwickeln von Kursen, mit sinnvollen Inhalten. Die aktuellen Entwicklungswerkzeuge bieten bis auf wenige Ausnahmen nur rudimentäre SCORM-Unterstützung an, was wiederum zu einem Mangel an brauchbaren SCORM-Kursen führt.

3. Es gibt eine Menge technischer Probleme beim Zusammenspiel zwischen SCORM-Lerneinheiten und den verschiedenen Lernmanagement-Systemen. Selbst wenn ein LMS oder ein Kurs ausdrücklich als SCORM-compliant angeboten wird, bedeutet das noch lange nicht, dass das Zusammenspiel auch tatsächlich funktioniert. Da SCORM eben (noch?) kein echter Standard ist, können verschiedene Systeme die Vorgaben u.U. auch unterschiedlich umsetzen. Mit etwas Glück können dann Minimal-Daten wie "Kurs gestartet" und "Kurs beendet" zwischen LMS und SCOs ausgetauscht werden, in manchen Fällen aber noch nicht einmal das.

Aussichten für SCORM
Obwohl von der US-amerikanischen Industrie, vom Miltiär und auch von der US-Regierung stark propagiert, muss sich zumindest in Europa erst noch herausstellen, welchen Stellenwert SCORM in den nächsten Jahren haben wird. Zum aktuellen Zeitpunkt kann im Grunde genommen nur dazu geraten werden, die Situation zu beobachten und ernsthaft zu prüfen, ob der Aufwand und die Probleme, die mit SCORM zur Zeit noch verbunden sind, durch einen echten Nutzen gerechtfertigt sind. Sicher sollte man aktuell keine übereilten Entscheidungen diesbezüglich treffen, insbesondere dann, wenn Anbieter, die zur Zeit wie Pilze aus dem Boden schießen, mit völlig überteuerten Entwicklungssystemen, Lernmanagement-Systemen oder mehr oder weniger sinnvollen Beratungsangeboten vor der Tür stehen.



Frank E. Callies ist Geschäftsführer der soft.art GmbH, Bergneustadt

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